Euroleague-Stereotypen, Teil 1/2

Wie kann man einem Sportfan mit geringem Vorwissen ein Bild vom europäischem Basketball machen? Ich starte mit einem Blick auf die Spieler der zweitstärksten Basketballliga der Welt – die Spieler der Euroleague.

Wer spielt in der Euroleague Basketball? Welche Karrierewege haben die Spieler genommen? Kann man Muster feststellen? Um ein paar Antworten auf diese Fragen geben zu können habe ich mir die Mühe gemacht, einen Blick auf die Spielerprofile aller Euroleague-Spieler zu werfen und daraus eine kleine Statistik zu erstellen. Erläuterungen zu den Daten finden sich am Ende dieses Artikels.

Die folgenden Beobachtungen resultieren in erster Linie aus der Betrachtung und Auswertung der besagten statistischen Daten. Wie bereits geschrieben bin ich dabei, den europäischen Basketball, seine entscheidenden Charaktere und deren Geschichten nach und nach besser kennenzulernen.

Ein Blick auf die 358

Insgesamt spielen derzeit 358 Spieler bei den 24 Euroleague-Teilnehmern. Wo kommen sie her? Wo wurden sie ausgebildet? Und seit wann spielen sie bei ihrem aktuellen Verein?

Euroleague made in USA?

 

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Ein Blick auf die Herkunft der Spieler bestätigt ein gängiges Basketball-Klischee: US-Amerikaner prägen Europas stärkste Basketballliga. Fast ein Viertel der Spieler stammen aus dem Mutterland des Basketballs. Jeder der 24 Clubs hat mindestens einen US-Amerikaner unter Vertrag. Insgesamt stammen 102 Spieler aus einer nicht-europäischen Nation.

Der europäischstämmige Anteil überwiegt in der Summe aller Spieler selbstverständlich. Auch die Heimatnationen der in der aktuellen Saison gesetzten Clubs beeinflussen die Statistik. Aus diesem Grund lohnt sich ein Blick auf das Verhältnis zwischen Anzahl der Spieler aus den Nationen der teilnehmenden Clubs und der Anzahl der teilnehmenden Clubs einer Nation. Interessante Fakten: Obwohl vier spanische Clubs im Wettbewerb vertreten sind, spielen in der gesamten Liga nur 18 Spanier. Im Gegensatz dazu sind Spieler aus Serbien (34) und Litauen (31), die mit jeweils zwei Clubs an der Euroleague teilnehmen, überdurchschnittlich vertreten.

Einen weiteren möglichen Einfluss auf die Statistik haben die nationalen Regelungen und Beschränkungen hinsichtlich der Verpflichtung nicht-europäischer Spieler sowie möglicher gesetzter Mindestanzahl heimischer Spieler, auf die ich in diesem Artikel noch nicht näher eingehen werde.

Ausbildung am US-College

In der US-amerikanischen Sportwelt existiert mit dem College-System eine sehr starke, renommierte Basketballausbildung. Viele College-Basketballspieler sammeln bereits in jungen Jahren Erfahrung in professioneller Umgebung der bekannten Colleges, die hinsichtlich der Rahmenbedingungen mit den europäischen Profiligen allemal mithalten können. Wurden die besten europäischen Euroleague-Spieler auch im vermeintlich besten System ausgebildet?

118 Spieler und somit fast ein Drittel aller Euroleague-Profis haben eine Ausbildung an US-Colleges genossen. Die Quote geht selbstverständlich mit der hohen Gesamtzahl an US-Amerikanern einher. Von den Spielern mit europäischer Herkunft haben lediglich 28 Spieler ein US-College besucht. Daraus lässt sich unabhängig von den individuellen persönlichen Statistiken ableiten, dass auch in Europa eine starke Ausbildung existieren muss.

Der Durchschnitts-Euroleague-Spieler

Welchen Karriereweg geht der typische Euroleague-Spieler? Für die Annäherung an die Beantwortung dieser Frage habe ich fünf Durchschnittswerte errechnet:

  • Der Durchschnitts-Euroleague-Spieler bringt Erfahrung aus fast acht Saisons mit.
  • Der Durchschnitts-Euroleague-Spieler verbringt etwa drei Fünftel seiner Karriere bei einem Team aus seiner Heimatnation.
  • Der Durchschnitts-Euroleague-Spieler hat bis vor der aktuellen Saison bereits bei mehr als vier Vereinen gespielt.
  • Der Durchschnitts-Euroleague-Spieler verbringt im Schnitt zwei Saisons bei einem Club.
  • Der Durchschnitts-Euroleague-Spieler ist im Durchschnitt seit 1,3 Saisons bei seinem aktuellen Club angestellt.

Neu an Bord

Die genannten Statistikwerte des durchschnittlichen Euroleague-Spielers tangieren das für mich persönlich spannendste Themenfeld: Die Transferpolitik der Spieler und Clubs und die daraus resultierenden Karrierewege der europäischen Basketballprofis. Dabei interessiert mich vor allem die Zugehörigkeit der Spieler zu ihrem aktuellen Verein. Langfristige Verbindung der Spieler als Marke mit ihrem Club als Marke kann für den Fan nur durch langjährige Anstellung bei einem Club entstehen. Beispiele dafür gibt es in der nordamerikanischen NBA: Dirk Nowitzki spielt seit seinem NBA-Debüt für die Dallas Mavericks, ebenso Kobe Bryant für die LA Lakers.

Wie sieht es in der Euroleague aus? Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von zwei Jahren ahnt man nichts Gutes. Werfen wir einen Blick auf die aktuellen Beschäftigungsverhältnisse.

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Stolze 46 Prozent der Euroleague-Spieler spielen in dieser Saison das erste Mal für ihren aktuellen Club. Ein Viertel der Spieler gehen in die zweite Saison. 13 Prozent sind bereits in der dritten Saison für ihren Club aktiv. Lediglich 16 Prozent haben mehr als drei Saisons für ihren aktuellen Arbeitgeber gespielt.

Diese Werte erstaunen mich bei jedem Lesen aufs Neue: Fast drei Viertel(!) der Spieler haben maximal eine Saison bei ihrem aktuellen Club verbracht. Bei einer solch hohen Fluktuationsquote gestaltet sich das Entwickeln von Stars, die mit einem bestimmten Club in Verbindung gebracht werden, für die verantwortlichen Clubmanager ziemlich schwierig.

Euroleague-Stereotypen

Selbstverständlich gibt es dennoch Stars in der Euroleague und auch Spieler, die die Euroleague als Liga seit Jahren prägen. Und der Durchschnittsspieler spiegelt lediglich einen Durchschnitt und somit möglicherweise nicht den typischen Euroleague-Spieler wieder. Während meiner Recherche sind mir ein paar typische Karrierewege der Basketballprofis aufgefallen. Diese Euroleague-Stereotypen werde ich mit entsprechenden Beispielen im zweiten Teil – dem Folgeartikel – vorstellen.

[UPDATE] Zu den Euroleague-Stereotypen, Teil 2/2, geht es hier.

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Weitere Ansatzpunkte

Während des Erstellungsprozesses dieses Artikels entwickle ich stetig neue Ideen für zukünftige Themen. In den kommenden Monaten werde ich mir das Datenmaterial der nationalen Ligen genauer anschauen. Ich bin gespannt, ob dort die entsprechenden Daten verfügbar sind, um Vergleiche zur Euroleague ziehen zu können.

Weitere Themen, denen ich mich möglicherweise in zukünftigen Artikeln widmen werde:

  • Die verschiedenen nationalen Regelungen und Beschränkungen hinsichtlich der Verpflichtung nicht-europäischer Spieler sowie mögliche gesetzte Mindestanzahl heimischer Spieler.
  • Analyse der Ausbildungssituation in Europa: Wo werden die europäischen Stars ausgebildet?
  • Analyse der hohen Spielerfluktuation: Wie können bei hoher Fluktuation Marken für Clubs geschaffen werden?

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Datenmaterial

Die Daten für die genannten Statistiken stammen allesamt von der offiziellen Website der Euroleague, euroleague.net. Abgerufen habe ich die Daten im Zeitraum zwischen dem 10. und 20. November 2013. Das Zusammentragen der Daten erfolgte manuell.

Zur Qualität der Daten muss ich bemerken, dass sich in wenigen Einzelfällen die entsprechenden Spielerkarrieren nicht ohne weiteres vollständig rekonstruieren lassen. Die Aussagen dieses Artikels beeinflusst dies nicht. Das Datenmaterial der Euroleague ist gut, allerdings nicht einhundertprozentig vollständig. Bisher ist mir keine alternative Datenbank bekannt, die vollständige Daten zu den Karrieren aller Euroleague-Spieler ausgibt, auf die man sich verlassen kann.

Solltest du Interesse an meiner Statistik-Datei (Google Docs) haben, schreib mir einfach unten im Kommentarbereich oder per E-Mail an hallo [at] basketballeuropa.de

Veröffentlicht von

Einst Sportmanagement, nun Startup. Mag Basketball, von Hip-Hop geprägte Musik, Hamburg sowie die Veränderung der Medienwelt und ist auch bei Twitter unterwegs.

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